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Universität Zürich

FS: Das forensisch-psychologische Gutachten

VVZ Modul: 642b (PraInt-2/nK) Praktische Intervention 2 / Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie
3 ETCS Punkte

HS 2012: Die Erschliessung von Latenz in Kommunikation und Beziehung


VVZ: Modul: 622a (FDI-3/K) Forschungs-, Diagnostik- & Interventionsmethoden 3 / Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie
3 ETCS Punkte

Zeit: Freitag nachmittags von 14.00 - 18.00 Uhr, Ort: AND 2-48 (Andreasstrasse)
Lizentiatsstudierende und HõrerInnen bitte per E-Mail hier anmelden, damit genügend Unterlagen bereit gestellt werden können.

Kommentar einer/s Studierenden in der Evaluation vom HS 2010

Ich halte meine Augen offen für das Verborgene. Ich lese Texte / Interviews genauer. Ich beobachte mich selbst anders (genauer). Danke für das spannende Seminar. Die interessante und praxisnahe Art haben die Stunden zu einem Highlight des Semesters gemacht!


Wie und warum entsteht Latenz - wie deckt man sie auf?
In der Spannung zwischen Unbewusstem und Bewusstem (Verleugnung/Verdrängung) hat der Mensch mehrschichtige Wünsche und Wahrnehmungen. Einerseits besteht eine Divergenz zwischen dem Selbstideal und der realen Person und ihrer Biographie. Andererseits besteht eine Spannung zwischen bewussten eigene Wünsche/Wahrnehmungen und den sozialen Regeln. Dabei gibt es also sozial erwünschte Geheimhaltung von Wünschen, Wahrnehmungen und aber auch Täuschung & Manipulation sozial unerwünschter Art.

Klinische und forensische Psychologen stützen sich in der Praxis von Diagnostik, Therapie und Begutachtung grösstenteils auf Aussagen ihrer Patienten und deren Umfeld. Verschiedene Gründe wie Vergessen, Verdrängen, Scham, kognitive Ueberforderung führen dazu, dass der manifeste Gehalt menschlicher Kommunikationen oft lückenhaft und widersprüchlich ist. Gewisse Personen wollen auch bewusst etwas verheimlichen. Wir befassen uns mit verschiedenen Methoden, um Geheimes und Verborgenes sichtbar zu machen. Wir studieren aber auch das Verborgene und das Unbewusste in uns selbst und es gibt in dieser Veranstaltung immer wieder kleine Selbsterfahrungsmodule, damit wir uns selber, aber auch zukünftige Klienten/innen und Patienten/innen besser verstehen. So werden wir Latenz in verschiedenen Formen kennen lernen: Einerseits um in einer Therapie das Unbewusste und Ungesagte aufzudecken, und zweitens um die psychologischen Aspekte bei Verbrechen oder bewusste Täuschungen aufzuklären.

Zuerst betrachten wir alle Formen von kaschierender Kommunikation: Verheimlichen, Lügen und Täuschung im Gespräch. Wir wandeln in diesem Semster ganz in den Stapfen von Miss Marple, d.h. wir sehen das Verborgene sowohl im vermeintlich banalen Alltag eines kleinen Dorfes als auch im grossen Verbrechen. Beides ist gleichmassen spannend. Warum tratschen die Leute hinter dem Rücken der anderen? Wie gehen sie damit um, dass auch über sie selber getrascht wird? Später erlernen wir eine Technik des Analysierens von anonymen Briefen und Drohbriefen, um Hinweise auf ihre Urheber und die Ernsthaftigkeiten seiner Absichten zu erlangen. Bei der Aufklärung von psychologischen Aspekten von Verbrechen geht es last but not least um Beweisführung.

Achtung: Der Versand der Themen zum Leistungsnachweis hat sich verspätet, da in der Liste der eingetragenen Studierenden die E-Mailadressen fehlen - Themen werden frühestens am Montag 24. Sept verschickt


Leistungsnachweis
Die Studierenden die zum erstenmal ein Modul der forensischen Psychologie gebucht haben, haben zwei Möglichkeiten den Leistungsnachweis zu erbringen: fast-track und slow-track. Der Leistungsnachweis besteht im Aufarbeiten des neusten Standes der Wissenschaft zu einem bestimmten Thema. Bei der fast-track Variante ist der Vortrag am 19. Okt. und der Abgabetermin der Arbeit am 4. Nov. 2012 24h) Dafür beschränkt sich der schriftliche Teil im Fast-Track darauf, die Literatursuche darzustellen und die drei wichtigsten Publikationen zum Thema zusammenzufassen. Bei der slow-track Variante (Termin der Vorträge am 16. Dez., Abgabe am 30. Dez. 2012 24h) muss hingegen eine klassische Seminararbeit verfasst werden (ca. 6 Seiten). Die Vorträge im Seminar dienen der Vorbesprechung (sie sind obligatorisch, werden aber nicht bewertet). Sie sollen ansprechend gestaltet werden, so dass sich die Mitstudierenden nicht langweilen. Die Studierenden, die schon einmal eine systematische Literaturrecherche durchgeführt haben, besprechen in einem 1-stündigen Vortrag (plus 7-seitige Seminararbeit) ein Fachbuch der praktischen forensischen Psychologie. Mit der im Fachbuch besprochenen Theorie kann man ein Fallbeispiel analysieren oder man kann herausfinden, in wiefern diese Theorie auch empirisch überprüft wurde und was noch aussteht.

Termine
  • 21. Sept. 2012 Einführung ins Thema - the big picture
  • 5. Okt. 2012 Beobachten lernen
  • 19. Okt. 2012 Fallanalysen üben, fast-track studentische Vorträge
  • 2. Nov. 2012 Fallanalysen, kriminalistisches Denken, Hypothesenabduktion
  • 16. Nov. 2012 Kriminalistisches Denken - Beweisführung
  • 30. Nov. 2012 Test kriminalistisches Denken, slow-track studentische Vorträge
  • 14. Dez. 2012 Ergäzungen zum Stoff

  • Literaturhinweise:

  • Haas, H. (2003). Psychologie de la déposition, victimologie et techniques d'entretien. Recherches juridiques lausannoises, Edition Schulthess.

    Sachs, J. (2009). Umgang mit Drohungen. Orell Fuessli.

    Terr, L. (1990). Too Scared to Cry. New York: Basic Books

    Volbert, R. & Steller, M. (Hrsg). (2008). Handbuch der Rechtspsychologie. Goettingen: Hogrefe.

    Vrij, A. (2008). Detecting Lies and Deceit. Hoboken NJ: Wiley. 2nd edition.

    Masterarbeit und Doktorarbeit in forensischer Psychologie

    Doktorarbeiten

    Doktorarbeiten, die durch Titularprofessoen betreut werden, sind gemäss Promotionsordnung möglich. Es muss dazu das Formular "Betreuung der Dissertation durch Privatdozenten" ausgefüllt werden und ein Professor des psychologischen Instituts als Zweit-Referent gesucht werden.

    Masterarbeiten in der klinischen Psychologie

    Forensische Psychologie als Ergänzungsfach in der Methodenlehre

    In Absprache mit Professor Hirsig konnte die forensische Psychologie als Ergänzungsfach in der Methodenlehre gewählt werden. Wegen der Pensionierung von Prof. Hirsig im 2009 sind jetzt keine Neueintritte mehr möglich. Mündliche Lizentiatsprüfungen sind nur bis zum Herbstsemester 2012 möglich, d.h. Sie sollten eine solche Seminararbeit nur dann in Angriff nehmen, wenn Sie hundertprozentig sicher sind, das Studium Ende 2012 abschliessen zu können.

    Die Anforderungen sind dieselben wie diejenigen von Prof. Hirsig. Verlangt wird der Besuch von zwei Semstern Vorlesung resp. Seminar in forensischer Psychologie (à 2 Wochenstunden) und das Verfassen einer Seminararbeit. Das Thema der Seminararbeit muss mit mir zuerst besprochen und von mir bewilligt werden. Die Seminararbeit muss vor der Anmeldung an die Prüfung angenommen sein. Der zeitliche Rahmen für das Korrigieren nach der Abgabe beträgt 3 Wochen. Drei weitere Wochen sollten eingeplant werden für den Fall, dass Korrekturen nötig wären. Spätester Abgabetermin für die fertige Arbeit ist also jeweils 6 Wochen vor der Prüfungsanmeldung / Voranmeldung / Vorvoranmeldung. Ausnahmen werden keine gemacht, halbfertige Arbeiten gelten nicht als abgegeben und Blankounterschriften werden keine erteilt. Studierende, die den letztmöglichen Termin für ihre Lizentiatsprüfung vorgesehen haben, also im Herbstsemester 2012 an die Prüfung gehen wollen, müssen ihre Seminararbeit bis spätestens am 31. Dezember 2011 fertig gestellt und abgegeben haben. Nach dem 31. Dezember 2011 wird keine Seminararbeit mehr akzeptiert (Ausnahmen gibt es keine).

    Die mündliche Prüfung dauert 30 Minuten. Geprüft wird der Stoff der beiden Lehrbücher in forensischer Psychologie.

    Haas, H. (2003). Observer et rédiger des documents en psychologie légale. Série: Actualités psychologiques No 14, Institut de psychologie, Université de Lausanne. ISSN 1420-9284.
    Link zum Bestellen

    Haas, H. (2003). Psychologie de la déposition, victimologie et techniques d'entretien. Recherches juridiques lausannoises, Schulthess juristische Medien AG, Zürich. ISBN 3 7255 4581 2.
    Link zum Bestellen

    Die Prüfungsfragen befassen sich einerseits mit der Theorie und bestehen andererseits im Lösen eines Fallbeispieles. Ein weiteres Thema, das sicher geprüft wird, ist die Methodik der Lizentiatsarbeit. Als Hilfe zum besseren Verständnis der französischen Bücher gibt es teilweise Folien aus früheren Vorlesungen.

    Wissenschafts- und Unterrichts-Philosophie, Anleitung für die Literatursuche

    Text mit den Unterrichtszielen und der Anleitung für die Seminararbeit zum herunterladen

    Die Wissenschaft ist sich ihrer Vergänglichkeit sehr bewusst; sie hat keinen Gewissheits- oder Ewigkeitsanspruch. Folgende Bedingungen dienen angesichts der verfassungsmässig garantierten Forschungs- und Meinungsfreiheit dazu, den Wissensstand voranzutreiben: Transparenz über die Quellen aus der die Daten stammen, Transparenz über die Methoden der Datenverarbeitung, systematische Datenbearbeitung, die auch die fehlenden Informationen offen darstellt, so wie die freie Diskussion der Resultate und schlussendlich die Transparenz über die Urheberschaft der Arbeit.

    Da Wissenschaft dauernd in Bewegung ist, folgt, dass die erste Bedingung guten Unterrichts sein muss, dass die Studierenden Probleme erkennen und sich Fragen stellen können, bevor sie Antworten bekommen. Wenn immer möglich, versuche ich, den Stoff anhand von praktischen Beispielen abzuhandeln. Es ist mir wichtig, dass die Studierenden sich dem Unbekannten zuwenden, sich ihm emotional aussetzen und auch auf psychologische Fragen zurückkommen, die sie sich vielleicht als Kinder gestellt hatten. Die Studierenden sollen nicht nur Theorien oder Expertenmeinungen reproduzieren, sondern auch methodisch denken lernen.
    Als zweite Anforderung an das akademische Lernen ist mir wichtig, dass die Studierenden möglichst die wissenschaftlichen Originalarbeiten verarbeiten (u.U. auch die historischen Texte der Pioniere eines Fachgebietes) und sich nicht bloss auf Informationen aus zweiter Hand abstützen. Gutes wissenschaftliches Handwerk ist wie eine gute Mahlzeit - sie muss mit "frischen Zutaten" von einem Chef de cuisine zubereitet werden.

    Anforderungen an eine Seminararbeit

    Seminararbeiten dienen dazu, das akademische Handwerk zu erlernen und ein spezielles, begrenztes Thema auf dem neuesten Stand der Wissenschaft zu vertiefen. Das Thema muss vorgängig bewilligt sein, denn nicht alle Themen eignen sich für Seminararbeiten.

    Am Anfang soll eine systematische Literaturrecherche mit den Datenbanken der einschlägigen Abstracts (Pubmed, PsychInfo, criminological abstracts) durchgeführt werden (bei historischen Themen sind die Originaltexte zu beschaffen). Anschliessend sollen die Studierenden die wichtigsten Studien bestellen und lesen. Die Seminararbeit soll (1) eine Einleitung in die Fragestellung beinhalten, die mit einem kurzen Methodenabschnitt endet, der die Randdaten des aktuellen State of the Art darstellt (wieviele Artikel sind zu bestimmten Suchbegriffen in den letzten 5 Jahren in den Abstracts verzeichnet). Im Hauptteil (2) sollen dann die Ergebnisse anhand einer Auswahl der methodisch am besten fundierten Studien zusammengefasst werden. Im Diskussionsteil (3) kommt die freie Diskussion zum Zuge, weiterführende Anregungen und Ideen sowie ein Ausblick, in welche Richtung die Forschung sich wohl bewegen könnte. Zuletzt (4) ist das Literaturverzeichnis nach den APA-Regeln zu erstellen.

    Die Seminararbeit soll ein Deckblatt mit dem Titel der Arbeit, dem Namen der Referentin, dem Namen und der vollständige Adresse (inkl. Telefon und Email) des/der Studierenden enthalten, sowie - zuunterst handschriftlich - Ort, Datum und Unterschrift, sowei den Satz: "Ich bestätige, dass ich diese Originalarbeit selbstständig und ohne unerlaubte Hilfe Anderer verfasst habe und dass die Arbeit nicht schon zur Abgeltung anderer Studienleistungen an der Universität Zürich eingereicht worden ist."

    Bewertet wird die Sorgfalt der Literaturrecherche, die Qualität der Auswahl der Artikel und die Verständlichkeit des Inhalts im logischen Aufbau und in der Sprache.

    Link zum Psychologischen Institut der Universität Zürich

    Links zu Aus- und Weiterbildungsbildungsprogrammen

    - Weiterbildungen der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtspsychologie (SGRP) der FSP
    - Masterstudium Forensics (ehemals NDS-Forensik II), HSW Luzern
    - Abteilung für Sozialpsychologie der Universität Bern
    - Kompetenzzentrum Rechtspsychologie der Universität St. Gallen
    - Supervision Praxis Dr. phil. Hans-Werner Reinfried
    - Supervision Forensisches Institut Ostschweiz: lic. phil. Monika Egli-Alge
    - Veritavmethode, Aussagenanalyse und Polygraph: Daphna Tavor, M.A.





























































































































































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