Universität Zürich
HS 2008: Seminar Forensische Interviewtechnik
Vorlesungsverzeichnis Nr. 2446
Zeit: Freitag nachmittags von 14.00 - 18.00 Uhr, Ort: AND-2-02 (Andreastrasse 15, 8050 Zürich)
Beginn ab 26.9.2008 (vierzehntäglich). Sowohl die Anmeldung per Email als auch persöniche Anwesenheit beim ersten Termin sind erforderlich.
Es hat nur 20 Plätze.
Thema
Es existiert eine breite Palette an Gesprächsführungstechniken in der forensischen Psychologie, je nach Situation und Ziel. Um sie zu beherrschen, muss man sie nicht bloss als Theorie sondern auch praktisch vorgeführt bekommen und sie dann selber üben. Wir werden deshalb viele verschiedene Rollenspiele machen. Dabei sollte man sich selbst erleben und beobachten können. Deshalb arbeiten wir mit Video. Alle Studierenden haben die Gelegenheit, als Interviewer in einem Rollenspiel gefilmt zu werden. So können sie diese dann mit iMovie bearbeiten, um späteren Bewerbungen einen kleinen Live-Ausschnitt von sich selbst als "Psychologe bei der Arbeit" beizulegen.
Damit wir trotz der Kamera möglichst spontan sein können, hat jede/r Teilnehmer/in ein Vetorecht, wenn einmal eine Aufnahme vergraten sollte oder er/sie allzu unvorteilhaft wegkommt. Wir werden dann je nach Wunsch des Betroffenen, die Aufnahme entweder vernichten oder sein Gesicht unkenntlich machen.
Basis aller anderen Techniken ist das aktive Zuhören und die Schlüsselworttechnik. Die wichtigste aller Techniken (auch im Hinblick auf Tätigkeiten in anderen Spezialisierungen der Psychologie) ist die Einvernahmetechnik, die dazu dient, ein Maximum von Informationen zu erhalten und dabei jede Suggestion zu vermeiden. Mitzubringen ab Oktober: eine MiniDV Videokassette.
26. Sept. 2008: Einführung, Vorstellungsrunde und Übungen im aktiven Zuhören
10. Okt. 2008: Basistechniken zur Erfassung von Tatsachen mit Übungen, Fragen und Klären unter Vermeidung jeglicher Suggestion
(Räume: Hauptraum AND-2-02, Nebenräume ...)
24. Okt. 2008: Das kognitive Interview Übungen
(Räume: Hauptraum AND-2-02, Nebenräume ...)
7. Nov. 2008: Zielorientierte Gesprächsführungstechnik in der forensischen Psychologie. Konfrontation mit inneren Widersprüchen und Konfrontation mit (äusseren) Fakten.
(Räume: Hauptraum AND-2-02, Nebenräume ...)
14. Nov. 2008: Filmen der gelernten Techniken
(Räume: nur Hauptraum AND-2-02, Nebenräume ...)
28. Nov. 2008: Filmen der gelernten Techniken
(Räume: Hauptraum AND-2-02, Nebenräume ...)
19. Dez. 2008: Einladung Fachperson aus dem Bereich Kinderschutz, Einvernahmen mit Kindern
(Räume: Hauptraum AND-2-02, Nebenräume ...)
Weitere Techniken für die fortgeschrittenen Teilnehmer/innen
- Konfrontation mit einem Verdacht "in flagranti"
- Psychologische 1. Hilfe bei Unfällen, Kriegs- und Rettungseinsätzen
- Überbringen von Todesnachrichten, schlechten Diagnosen und Prognosen
- Überbringen eines negativen Entscheides, Kündigung, nicht-bestandenen Prüfung, Behandlungsabbruch
- Verhandeln mit Geiselnehmern, Deseskalationsgespräche
- Debriefing nach einem akuten psychischen Trauma (dessen Wirksamkeit ist aber umstritten)
- Mediation / Schlichtung
Die Veranstaltung ist auf maximal 20 Studierende beschränkt - Anmeldung per E-Mail. Da schon mehr als 17 Anmeldungen eingetroffen sind, ist die Reihenfolge der Anmeldung für die Aufnahme massgeblich. Nach dem 26. Sept. können keine weiteren Teilnehmer/innen mehr aufgenommen werden.
Die Studierenden, die das Seminar besucht - und darin
mitgearbeitet haben - erhalten für ihre zukünftige
Tätigkeiten eine schriftliche Bestätigung für ihre
Leistung.
Literaturhinweise zum Thema Interviewtechnik
Bender, R. & Nack, A. (1995). Tatsachenfeststellung vor Gericht. Band II, Vernehmungslehre. München: Verlag C.H. Beck.
Fisher, R., Geiselmann, R., Raymond, D., Jurkevich, L. & Warhaftig, M. (1987). Enhancing enhanced eyewitness memory: Refining the cogitive interview. Journal of Police Science and Administration, 15: 291-97.
Fisher, R., Geiselmann, R. & Amador, M. (1989). Field test of the cognitive interview: Enhancing the recollection of actual victims and witness of crime. Journal of Applied Psychology, 74: 722-727.
Geiselmann, R., Fisher, R., MacKinnon, D. & Holland, H. (1985). Eyewitness memory enhancement in police interview: Cognitive retrieval mnemonics versus hypnosis. Journal of Applied Psychology, 70: 401-412
Haas, H. (2003). Psychologie de la déposition, victimologie et techniques d'entretien. Recherches juridiques lausannoises, Edition Schulthess. ISBN 3 7255 4581 2.
Kröber, H.-L. & Steller, M. (Hrsg.) (2005). Psychologische Begutachtung im Strafverfahren. Darmstadt: Steinkopff.
Lasogga, F. & Gasch, B. (1997). Psychische Erste Hilfe in Unfallsituationen. Edewecht: Stumpf & Kossendey.
McCann, J. (1998). Malingering and Deception in Adolescents. Washington DC: American Psychological Association
Rogers, C. (1951). Client-Centered Therapy. Its Current Practice, Implications, and Theory. Houghton Mifflin Company).
Schäfer, D. & Knubben, W. (1996). ... in meinen Armen sterben? Vom Umgang der Polizei mit Trauer und Tod. Hilden: Verlag Deutscher Polizeiliteratur.
Walder, H. (2006) (fortgeführt von Hansjakob, Th.). Kriminalistisches Denken. Heidelberg: Kriminalistik Verlag.
Yeschke, C. (1997). The Art of Investigative Interviewing. Boston, Mass.: Butterworth-Heinemann.
Lizentiat und Doktorarbeiten in forensischer Psychologie
Doktorarbeiten
Doktorarbeiten, die durch Privatdozenten betreut werden, sind gemäss Promotionsordnung möglich. Es muss dazu das Formular "Betreuung der Dissertation durch Privatdozenten" ausgefüllt werden und ein Professor des psychologischen Instituts als Zweit-Referent gesucht werden.
Co-Betreuung von Lizentiatsarbeiten in der klinischen Psychologie
Forensische Psychologie als Ergänzungsfach
In Absprache mit Professor Hirsig konnte die forensische Psychologie als Ergänzungsfach in der Methodenlehre gewählt werden. Wegen der Pensionierung von Prof. Hirsig im 2009 sind jetzt keine Neueintritte mehr möglich. Die Anforderungen sind dieselben wie diejenigen von Prof. Hirsig. Verlangt wird der Besuch von zwei Semstern Vorlesung resp. Seminar in forensischer Psychologie (à 2 Wochenstunden) und das Verfassen eines Vortrags (1/2 Stunde) oder einer Seminararbeit. Die Seminararbeit muss vor der Anmeldung an die Prüfung angenommen sein. Der zeitliche Rahmen für das Korrigieren beträgt 3 Wochen. Drei weitere Wochen sollten eingeplant werden für den Fall, dass Korrekturen nötig wären.
Die mündliche Prüfung dauert 15 Minuten. Der Prüfungsinhalt besteht aus drei Themen, die von den Kandidaten vorzuschlagen sind. Die Prüfungsfragen sind einerseits zur Theorie und bestehen andererseits auch im Lösen eines Fallbeispieles. Ein weiteres Thema, das sicher geprüft wird, ist zudem die Methodik der Lizentiatsarbeit.
Wissenschafts- und Unterrichts-Philosophie
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Die Wissenschaft ist sich ihrer Vergänglichkeit sehr bewusst;
sie hat keinen Gewissheits- oder Ewigkeitsanspruch. Folgende
Bedingungen dienen angesichts der verfassungsmässig
garantierten Forschungs- und Meinungsfreiheit dazu, den
Wissensstand voranzutreiben: Transparenz über die Quellen aus
der die Daten stammen, Transparenz über die Methoden der
Datenverarbeitung, systematische Datenbearbeitung, die auch die
fehlenden Informationen offen darstellt, so wie die freie Diskussion der Resultate und
schlussendlich die Transparenz über die Urheberschaft der Arbeit.
Da Wissenschaft dauernd in Bewegung ist, folgt, dass die erste
Bedingung guten Unterrichts sein muss, dass die Studierenden
Probleme erkennen und sich Fragen stellen können, bevor sie
Antworten bekommen. Wenn immer möglich, versuche ich, den Stoff anhand von praktischen Beispielen abzuhandeln. Es ist mir wichtig,
dass die Studierenden sich dem Unbekannten zuwenden, sich ihm
emotional aussetzen und auch auf psychologische Fragen
zurückkommen, die sie sich vielleicht als Kinder gestellt
hatten. Die Studierenden sollen nicht nur Theorien oder
Expertenmeinungen reproduzieren, sondern auch methodisch denken
lernen.
Als zweite Anforderung an das akademische Lernen ist mir wichtig,
dass die Studierenden möglichst die wissenschaftlichen
Originalarbeiten verarbeiten (u.U. auch die historischen Texte der
Pioniere eines Fachgebietes) und sich nicht bloss auf Informationen
aus zweiter Hand abstützen. Gutes wissenschaftliches Handwerk
ist wie eine gute Mahlzeit - sie muss mit "frischen Zutaten" von
einem Chef de cuisine zubereitet werden.
Anforderungen an eine Seminararbeit
Seminararbeiten dienen dazu, das akademische Handwerk zu erlernen und ein spezielles,
begrenztes Thema auf dem neuesten Stand der
Wissenschaft zu vertiefen.
Am Anfang soll eine systematische Literaturrecherche mit den
Datenbanken der einschlägigen Abstracts (Pubmed, Psychlib,
criminological abstracts) durchgeführt werden (bei historischen Themen sind die
Originaltexte zu beschaffen). Anschliessend sollen
die Studierenden die wichtigsten Studien bestellen und lesen. Die
Seminararbeit soll (1) eine Einleitung in die Fragestellung
beinhalten, die mit einem kurzen Methodenabschnitt endet, der die
Randdaten des aktuellen State of the Art darstellt (wieviele Artikel sind zu bestimmten
Suchbegriffen in den letzten 5 Jahren in den
Abstracts verzeichnet). Im Hauptteil (2) sollen dann die Ergebnisse
anhand einer Auswahl der methodisch am besten fundierten Studien
zusammengefasst werden. Im Diskussionsteil (3) kommt die freie
Diskussion zum Zuge, weiterführende Anregungen und Ideen sowie
ein Ausblick, in welche Richtung die Forschung sich wohl bewegen
könnte. Zuletzt (4) ist das Literaturverzeichnis nach den
APA-Regeln zu erstellen.
Die Seminararbeit soll ein Deckblatt mit dem Titel der Arbeit, dem
Namen der Referentin, dem Namen und der vollständige Adresse
(inkl. Telefon und Email) des/der Studierenden enthalten, sowie -
zuunterst handschriftlich - Ort, Datum und Unterschrift, womit
der/die Studierende bezeugt, dass er/sie die Arbeit selber und ohne
fremde Hilfe verfasst hat.
Bewertet wird die Sorgfalt der Literaturrecherche, die Qualität der Auswahl der
Artikel und die Verständlichkeit des Inhalts im logischen Aufbau und in der Sprache.
Link zum
Psychologischen Institut der Universität Zürich
Links zu Aus- und Weiterbildungsbildungsprogrammen
- Weiterbildungen der
Schweizerischen Gesellschaft für Rechtspsychologie (SGRP) der
FSP
-
Master in Advanced Studies in Intervention and Prevention of Sexual Violence
-
Masterstudium Forensics (ehemals NDS-Forensik II), HSW Luzern
- Abteilung für Sozialpsychologie der Universität Bern
- Kompetenzzentrum
Rechtspsychologie der Universität St. Gallen
- Supervision Praxis Dr. phil.
Hans-Werner Reinfried
- Supervision Forensisches Institut
Ostschweiz: lic. phil. Monika Egli-Alge
- Veritavmethode, Aussagenanalyse
und Polygraph: Daphna Tavor, M.A.
-
Traumatherapie: Dr. phil. Revital Ludewig-Kedmi
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