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Forschungsdatenbanken

Forschungsdatenbank der Universität Zürich
Projektdatenbank des schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Systematisches Beobachten & Hypothesen-Abduktion

Link zu Forschungspartner: Patrick Tönz, MSc

Anwendungen
Kriminalistik - Strategische Analyse im Nachrichtendienst - Phänomenologie in den Naturwissenschaften - Archäologie - Literaturwissenschaft und Linguistik - Theologie - Buchprüfung - Kunstgeschichte - Sudoku-Rätsel

Theorie des systematischen Beobachtens
Wie geht man vor, wenn man noch gar nichts weiss? Der Anfang jeglicher wissenschaftlicher Bearbeitung eines neuen Phänomens wird nur selten thematisiert. Zu diesem Zweck wurden die fünf einfach zu merkenden Formeln der systematischen Beobachtung aus der kognitiven Psychologie und der Wissenschaftstheorie hergeleitet. Sie helfen Wissenschaftlern und Ermittlern gründlicher hinzusehen und sicher zu gehen, dass nichts vergessen wurde. Die fünf Formeln legen die Abfolge der Arbeitsschritte fest und sind in einem hermeneutischen Zirkel anzuwenden.

Die fünf Formeln
I. Vergleiche das Beobachtungsobjekt mit Modellen, mit Standards und mit ähnlichen Fällen und den Informationen der kriminalistischen resp. wissenschaftlichen Literatur.

II. Die kleinste Einheit der Wahrnehmung ist das Zeichen. Das Zeichen besteht aus einer äusseren Form, die für etwas Anderes (seinen "Inhalt") steht. Somit heisst es, die formellen und inhaltlichen Aspekte des Beobachtungsgegenstandes zu trennen und immer beide in der Beobachtung zu erfassen.

III. Zerlege das Objekt in die (kleinsten) funktionalen Elemente seiner Struktur und erforsche jedes einzeln. Es können verschiedene Strukturen gleichzeitig denkbar sein (zum Beispiel eine formelle Strukturen und eine Inhaltliche, vergleiche dazu die Strukturen von Modellen).

IV. Erforsche alle Ungereimtheiten, Widersprüche, Fehler und erstaunlichen Zufälle (im Vergleich zu den Modellen und nach der Unterteilung des Objekts in seine Grundelemente).

V. Endecke die eventuelle Abwesenheit wichtiger Zeichen (mithilfe von Modellen und nach der Unterteilung des Objekts in seine Grundelemente).

Es lässt sich nicht leugnen, dass die gründliche Anwendung dieser Formeln zunächst einen erheblichen Arbeitsaufwand erfordert, den man sich nur in wichtigen Fällen leisten kann. Sobald ihre Anwendung dem Wissenschaftler oder dem Kriminalisten aber in Fleisch und Blut übergegangen ist, wird er schon auf den ersten Blick sehr viel mehr erfassen als vorher und sich damit unnütze Arbeit ersparen können, die entsteht, wenn die Ermittlung auf ein falsches Geleis gerät. Erst beim Durchlaufen des Prozesses der systematischen und nicht bloss heuristischen Erfassung aller Details sind wir in der Lage, erste Hypothesen zu formulieren (die sog. Abduktion nach Peirce).

Hypothesen auf ihre Plausibilität testen
Die gefundenen Hypothesen sollten dann, in einem zweiten Schritt, einer Plausibilitätsprüfung unterzogen werden, indem sie systematisch - in einer Tabelle - aufgelistet werden. Um eine klarere Sicht über den Fall zu erlangen, muss für jedes Zeichen bestimmt werden, in wiefern es eine bestimmte Hypothese unterstützt oder eher zu widerlegen scheint.

Publikationen zum Thema Beobachtung

Haas, H. (2005). Vom Nichtwissen zum Wissen. Ungewußt - Zeitschrift für angewandtes Nichtwissen.
Institut für angewandtes Nichtwissen, Uni Siegen (IfAN). Heft Nr 12: 64-85.
Homepage "Ungewußt" (vollständiger Artikel herunterladen)

Haas, H. (2003). Kriminalistischer Erkenntnisgewinn durch systematisches Beobachten.
Kriminalistik. 57(2): 93-100.
Homepage "Kriminalistik"

Haas, H. (2003). Observer et rédiger des documents en psychologie légale.
(Übersetzung: Beobachtung und Aktenführung in der forensischen Psychologie)
Lehrbuch der Rechtspsychologie: Band I
Institut de Psychologie de l'Université de Lausanne.
Série Actualités psychologiques No 14, ISSN 1420-9284
Homepage "Série Actualités psychologiques" der Universität Lausanne

Kriminalistisches Denken von Walder & Hansjakob, 7. Auflage (2006)

Kriminalistik Verlag, Reihe Grundlagen der Kriminalistik, Band 41.
Das klassische Werk der deutschsprachigen Kriminalistik, begründet vom verstorbenen Strafrechts-Professor und ehemaligen Bundesanwalt Hans Walder, wurde vom Staatsanwalt und Leiter des St.Galler Untersuchungsrichteramts Dr.iur.lic.oec. Thomas Hansjakob völlig neu überarbeitet und erweitert (u.a. um die Methode des systematischen Beobachtens, S.31-37). Wie löst man einen Fall, der ein Verbrechen vermuten lässt? Eine umfassende Antwort auf diese Frage gibt dieses Buch.



Pressestimmen: "Die Lektüre - ggf. wiederholt - ist ein kriminalistisches MUSS!"
Der Kriminalist 3/2003


Gefährlichkeit von Drohungen & Fall-Management

Anwendungsbereiche
Polizeiliche Evaluation von Drohungen - Nachrichtendienstliche Evaluation von Drohungen - Stalking - Häusliche Gewalt - klinische Psychologie und Psychiatrie

Zusammenfassung
Drohungen, anonyme Briefe, schriftlicher Unfug und andere unangebrachte Mitteilungen sollten als kriminalistische Indizien behandelt werden, die man im gegebenen sozialen, kulturellen und individuellen Kontext interpretieren muss. Kontextspezifisch sind Arbeitskonflikte, häusliche Gewalt, kulturelle Konflikte bei Immigranten, Gewalt und Drohungen gegen Beamte, Drohungen gegen Politiker usw. Das semiotische Model der Kommunikation besteht aus dem Absender (Täter), der Nachricht, dem Empfänger, dem designierten Opfer und Trittbrettfahrern. Um eine Situation einzuschätzen, müssen alle Elemente in die Auswertung miteinbezogen werden.

Semiotisches Modell der Drohung und anderer ungehöriger Kommunikationen

Publikationen zum Thema Drohungen und Gefährlichkeitsprognose

Haas, H. (2004). Gefährlichkeitseinschätzung von Drohungen. Kriminalistik. 58(12): 791-799.
Homepage "Kriminalistik"

Escard, E., Haas, H. & Killias, M. (2003). Comportements suicidaires et violences: réflexions criminologiques à partir d'une étude portant sur 21 314 jeunes recrues suisses. (Übersetzung: Selbstmordversuche und Gewaltbereitschaft: Kriminologische Überlegungen aufgrunde der schweizer Rekrutenstudie mit 21'314 Teilnehmern). Encéphale. XXIX: 1-10.
Abstract auf Medline

Haas, H. & Schori, Y. (2000). Menaces de suicide ou d'homicide. (Übersetzung: Mord- und Selbstmorddrohungen) Psychoscope. Bern, 9/2000: 24-27.
Text zum herunterladen

Haas, H. (2004). Gefährlichkeitsabklärung in der Notfallsituation - First Responder's Assessment of Dangerousness (FRAD). In (Hrsg.): C. Kranich, F. Greber & H. Strub. Häusliche Gewalt und ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger in der Schweiz. AGAVA, Reader zum 3. Schweizer Kongress gegen Gewalt und Missbrauch. Abstract

Rekrutenbefragung 1997 (ch-x) zu erlebter und ausgeübter Gewalt

Homepage der Eidgenössischen Jugend- und Rekrutenbefragung ch-x

Buch: Agressions et victimisations - une enquête sur les délinquants violents et sexuels non détectés . Aarau: Sauerländer Verlag, ISBN 3-7941-4915-7.
Bestellen: Online Shop BBL (Suchbegriffe: Haas + Agressions)

Gewalt und Viktimisierung - eine Untersuchung über Gewalt- und Sexualstraftäter im Dunkelfeld.
Sind Kriminelle Menschen wie du und ich, die einfach das Pech hatten, in ein Delikt verwickelt zu werden, oder sind sie tendenziell psychisch gestört? Weshalb wird jemand Gewalttäter, weshalb Vergewaltiger? Die Befragung von 21'347 Rekruten des Jahres 1997 und einer Stichprobe von 1'160 Nicht-Rekruten bot die Möglichkeit, einmal Straftaten der schweren Art im Dunkelfeld zu untersuchen. Wegen der allgemeinen Wehrpflicht für Männer umfasst die Stichprobe ca. 70% aller 20-jährigen Schweizer, der sogenannten Alters-Kohorte.

Zusammenfassung des Buches Herunterladen

Mehr Informationen zur Studie

Forschungszusammenarbeit (Software und Datenbank)

Haas, H. (2004). Doing Research with Large Databases: Opportunities and Challenges of the Swiss Recruits' Study. Text über die Methodologie zum herunterladen
Webseite der Ecole des sciences criminelles der Universität Lausanne 2004-2005



Die Erhebung durch die Experten der ch-x im Jahr 1997.
Zur Wahrung von Anonymität und Ruhe, war immer ein leerer Platz zwischen zwei Rekruten.

Betreuung von Doktorarbeiten

(bis 2004) Dissertation von Frau Fürsprech Christiane Gabi, heute betreut durch Prof. Marcel A. Niggli

Thema: Staging und Inszenierungen bei Tötungsdelikten
Weitere Informationen E-Mail Frau Gabi

Forschungen zusammen mit Studierenden und betreute Forschungsarbeiten von Studierenden

Publikationen mit den Rekruten- und andern Daten aufgrund von studentischen Abschlussarbeiten.

Jaccard, R. (2007). Valorisation par la police de comportements visant à désamorcer une escalade conflictuelle.Revue internationale de criminologie et de police technique et scientifique. 1/2007: 86-102.

Lamon, Ph. & Haas, H. (2003). Les incendiaires non détectés. Revue internationale de criminologie et de police technique et scientifique. 56(4): 451-466.

Deveaud-Pledran, M. & Haas, H. (2001). Etude pilote sur les réactions de la population à l'implantation d'un établissement pénitentiaire. Research Notes. Kriminologisches Bulletin, 27(1): 43-58.

Haas, H. & Rindlisbacher, M. (2001). Rückblick über die Strafvollzugspraxis gegenüber Gewalt- und Sexualverbrechern im letzten Jahrzehnt. Crimiscope Nr. 13, Jan. 2001, Lausanne: IPSC-UNIL.

Vignando, R. & Haas, H. (2001). Die Skinhead Bewegung: eine empirische Studie. Crimiscope Nr. 15, Juni 2001, Lausanne: IPSC-UNIL.

Morandi, H., Haas, H. & Killias, M. (2000). La violence des fraudeurs ou le mythe de la différence entre délinquants ordinaires et délinquants économiques. Kriminologisches Bulletin, 26(2): 21-34.





















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