DIE REKRUTENSTUDIE 1997

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Gewalt und Viktimisierung. Eine Studie über Gewalt- und Sexualstraftäter im Dunkelfeld

 

Eidgenössische Jugend- und Rekrutenbefragungen 1997 (veröffentlicht 2001)

Serie ch-x : Band 15

Dank der allgemeinen Militärdienstpflicht hat die Studie ca. 70 Prozent der jungen Schweizer Männer im Alter von 20 Jahren erfasst. Nach Ausschluss der unglaubwürdigen Fragebögen, besteht die Datenbank aus 21'314 gültigen Observationen. Die Eidgenössische Jugend- und Rekrutenbefragungen ch-x ist eine der ältesten regelmässigen Befragungen weltweit.
  

Die 900 Fragen erfassten die Biographie seit der frühen Kindheit, sowie mögliche Straftaten, die die Männer in den zwölf Monaten vor Beginn der Rekrutenschule begangen haben konnten.
Gibt es Gewalt- und Sexualverbrecher, die sich nicht ertappen lassen? Sind Täter Menschen, die bloss das Pech hatten, in ein Delikt verwickelt zu werden, oder sind sie tendenziell psychisch gestört? Solche Fragen werden Kriminalpsychologen oft gestellt. Die Befragung von 21'347 Rekruten des Jahres 1997 und einer Stichprobe von 1'160 Nicht-Rekruten bot die Möglichkeit, einmal Straftaten der schweren Art im Dunkelfeld zu untersuchen.
    
Weil viele Fragen intime und heikle Themen betrafen, wurde den Teilnehmern bei jeder Frage die Möglichkeit angeboten, darauf nicht zu antworten.
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Nach dem Ausgefüllens des anonymen Fragebogens, warfen die Rekruten ihn in eine Urne.
Haas, H. (2004). Doing Research with Large Databases: Opportunities and Challenges of the Swiss Recruits' Study. Source code of Swiss recruits' study available to the scientific community. Text zur Methodologie zum herunterladen


Online Publikation, von der (am 27. Okt. 2004) mit dem damaligen Institutsdirektor Martin Killias vereinbart wurde, dass sie vom Nov. 2004 bis Nov. 2006 auf der Webseite der Ecole des sciences criminelles figuriere.



  

So wurde den Teilnehmern absolute Anonymität deutlich sichtbar garantiert.

Die Dominanz der Intensivtäter in der Kriminalstatistik

Durch die Rekrutenstudie 1997 konnte erstmals nachgewiesen werden, dass die Ergebnisse der Kohortenstudie von Wolfgang, Figlio und Sellin (in Delinquency in a Birth Cohort, 1972) auch für das sogenannte Dunkelfeld gelten. Diese Forscher hatten nämlich anhand der Polizeidaten in Philadelphia herausgefunden, dass die grosse Mehrheit aller Straftaten und ganz besonders aller Gewalt- und Sexualverbrechen von einer kleinen Minderheit (ca. 6-8%) aller polizeilich je registrierten Personen begangen wird. Diese Täter nennt man daher Intensivtäter. Eine zentrale Aufgabe des Staates besteht darin, diese kleine Gruppe von Verbrechern spezialpräventiv an weiteren Taten zu hindern, damit die demokratischen Grundrechte der vulnerablen Menschen vor Übergriffen Dritter wirksam geschützt werden. In den folgenden zwanzig Jahren nach Wolfgang et al. wurden die Ergebnisse aus Philadelphia von vielen soziologischen Kriminologen abgestritten. Da wurde etwa behauptet, es sei so, dass die Polizei unverhältnismässig oft auf die immer gleichen Personen zugriffe und diese so zu eigentlichen Sündenböcken machten. Diese heute breit widerlegte Hypothese versuchte, Ursache und Wirkung umzudrehen, wie wenn die Schuld an Straftaten vor allem bei Polizei und Justiz zu suchen wäre. Ein Hauptergebnis der Rekrutenstudie ist nun, dass die noch unentdecken Täter im Dunkelfeld sich von den polizeilich bekannten Tätern gar nicht unterscheiden. Nachfolgende Forschungen aus dem Ausland und mit etwas Verspätung dann auch aus der Schweiz, die auf andern Datensätzen und multivariater Auswertung beruhen, bestätigten die Resultate der Rekrutenstudie aus dem Jahr 2001.


























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